„Leben im Dorf“ weckt internationales Interesse

    Delegation aus Taiwan zu Gast in Wallmerod

    Eine 42-köpfige Delegation aus Taiwan unter Leitung des Vize-Agrarministers Tuey-Chih Lee informierte sich in der Verbandsgemeinde Wallmerod über die Initiative „Leben im Dorf“. Die Gruppe bestand aus Bürgermeistern der Siegerdörfer des Wettbewerbs „Golden Villages“, der in Anlehnung an den deutschen Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“  in Taiwan durchgeführt wurde. Hinzu kamen Vertreter der taiwanesischen Verwaltung sowie Professoren aus Wirtschaft und Technik sowie 2 Dolmetscher. Zudem begleiteten Pressevertreter und ein Kamerateam des SWR die Gruppe.

    Bürgermeister Klaus Lütkefedder sprach in seiner Begrüßung die Probleme der ländlichen Räume in Taiwan und in Deutschland an - Landflucht, Überalterung und das Wegbrechen der dörflichen Infrastruktur. Er ging auch mit einem Augenzwinkern darauf ein, welche Kompetenzen Deutschland beigemessen werden. „Deutschland steht für Innovation und Bier“, sagte er unter fröhlichem Beifall der Gäste, „und beides finden Sie in Wallmerod.“ Der Beleg für diese Aussage ließ nicht lange auf sich warten, denn Lütkefedder öffnete mit einem lauten „Plopp“ eine Flasche Westerwälder Bier mit dem von Karl Hutter aus Wallmerod patentierten Bügelverschluss. Anschließend wurde es etwas ernster. Anhand einer Powerpoint-Präsentation erläuterte Lütkefedder die Gesamtstrategie der Initiative „Leben im Dorf “ in Bildern und Zahlen und zeigte Beispiele zur Belebung der Ortskern und der Schaffung attraktiver Dörfer auf. Die Teilnehmer um Vizeminister Lee und Professor Sheng-Jung Ou zeigten sich beeindruckt von der Gesamtstrategie „Leben im Dorf“ und fragten detailliert nach, wie dies auf ihre Verhältnisse übertragbar wäre.

    Im Anschluss startete die Delegation gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Lütkefedder und dem 1. Beigeordneten Werner Zingel zu einem Rundgang durch Wallmerod, um sich einige Maßnahmen vor Ort anzuschauen. Zunächst wurden im Bereich Holzbitz und Kirchstraße verschiedene durch „Leben im Dorf“ geförderte Objekte besichtigt. Laut Dolmetscherin Jia Jing Bao fiel der Delegation besonders auffiel, mit welcher Genauigkeit und Feinheit viele alte Häuser zu neuen Wohnorten umgebaut wurden. Als nächste Stationen stand die dörfliche Infrastruktur auf dem Programm. Vom neuen Bauhof der Ortsgemeinde über die private Nutzung der „Alten Zehntscheune“, über die Grundschule und das Naturerlebniszentrum führte der Weg bis hin zur neu gebauten Apotheke. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr das Alten- und Pflegeheim „Hildegard von Bingen“, dem ebenfalls ein kurzer Besuch abgestattet wurde. Passend zur lockeren Atmosphäre bedankten sich die Gäste mit einem kurzen Ständchen bei den Bewohnern. Bei diesem Rundgang wurde gleich mit einem Vorurteil aufgeräumt. Die Delegation hatte die Menschen in Deutschland eigentlich als „sehr ernst“ erwartet und stellten anschließend fest: „Ihr seid so nett“. Zum Abschluss bedankte sich Vizeminister Lee für die aufschlussreichen Informationen und lud die Wallmeröder Akteure zum Gegenbesuch nach Taiwan ein. 

    Seit 1967 pflegen Vertreter der Agrarökonomie an den verschiedenen deutschen Agrarfakultäten eine enge Zusammenarbeit mit den Kollegen der taiwanischen Universitäten in Taipeh und Taichung über die Deutsch-Taiwanische Gesellschaft für Sozialökonomie (DTG). Die DTG hatte im Jahr 2016 mit einer taiwanesischen Delegation die Wettbewerbsteilnahme einiger Siegerdörfer vor Ort mitverfolgt und sich bei der Geschäftsstelle Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” über Abläufe und Inhalte des deutschen Dorfwettbewerbs informiert. Danach fand der erste Dorfwettbewerb im Jahr 2017 in Taiwan statt. Von 707 Kandidaten in der Vorrunde (County Ebene) wurden 36 Dörfer zum Finale (National Ebene) ausgewählt. Das Endergebnis des nationalen Wettbewerbs wurde Anfang dieses Jahres bekannt gegeben und 22 Dörfer als Medaillenträger ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand am 26. April 2018 in Taiwan statt. Der Vorsitzende der Bundesbewertungskommission nahm an der Zeremonie teil und lud taiwanische Siegerdörfer ein, Deutschland zu besuchen. Da die ländliche Entwicklungspolitik sowie der Dorfwettbewerb in Deutschland als Vorbild in Taiwan eingeführt wurden, organisiert DTG ein Besuchsprogramm, um individuelle Entwicklungsprozesse für und in den jeweiligen Dörfern/Städte zu initiieren. Auch ein Besuch in der Verbandsgemeinde Wallmerod zum Schwerpunkt „Leben im Dorf“ wurde in diesem Zusammenhang von der DTG empfohlen.


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